Ein 4-4 gegen den Tabellennachbarn, die Verteidigung des 6. Tabellenplatzes – das hört sich gut an. Erspart blieb den Spielern und Kiebitzen zudem die dritte Niederlage in Folge. Beschäftigt man sich mit den Partien, dann hat man kein gutes Gefühl. Denn die Heimmannschaft ließ mehr Punkte liegen als die Gäste aus der Hansestadt, die zudem nur mit sieben Spielern angereist waren.
Abschied von Stephan Buchal
„Gerade das macht Schach so interessant: Man ist intellektuell nie fertig, lernt nie aus“, stellte Stephan Buchal vor zwei Jahren während eines Turniers fest. Nun hört der FM (mit zwei IM-Normen!) auf – zumindest mit dem Mannschaftsschach. Sein Mannschaftskollege Olaf Steffens verabschiedete das Bremer Urgestein vor Beginn des Wettkampfs und überreichte ihm ein Abschiedspräsent.

Der 73-jährige ehemalige IT-Ingenieur blickt auf eine bewegte Laufbahn zurück. Ein erster Höhepunkt war der geteilte 3. Platz bei der Europa-Jugendmeisterschaft hinter dem legendären Tony Miles. Es folgten einige Highlights wie der zweimalige Gewinn der Niedersächsischen Landesmeisterschaft und die Silber-Medaille bei der Deutschen Senioren-Einzelmeisterschaft 2024. Der SV Hellern wünscht ihm weiterhin viel Erfolg, denn Schachfreund Buchal steht auf der Meldeliste der 38. Deutschen Senioren-Einzelmeisterschaft 65+ – und die beginnt im Juli 2026. Wir heißt es so schön: „Never give up, never surrender!“
Das galt aber auch für Jörg Stock, der gegen den Bremer antrat, aber kein weiteres Geschenk anzubieten hatte.

Zugegeben: der Bremer FM hatte zunächst wenig zu befürchten, stand vielleicht sogar etwas besser, aber Jörg nutzte seine Chance.
Dies erhöhte den Vorsprung unserer Ersten auf 3½-½. Was sollte jetzt noch schiefgehen? Gut, eine Partie war verloren. Aber zwei deutlich gewonnene Stellungen und eine wild umkämpfte sollten doch wohl für 5½ P reichen?
Das allerdings geschah nicht. Im Gegenteil. Die kampfstarken Bremer drehten eine Partie nach der anderen. 3½-1½, 3½-2½, 3½-3½. Am Ende kämpfte FM Hannes Ewert verzweifelt in einem gewonnenen, aber technisch sehr tückischen Turmendspiel um den fehlenden Punkt, musste sich aber mit einem Remis abfinden.
Somit war das finale 4-4 ein Spiegelbild der Ups and Downs, die unser Flaggschiff in einer durchwachsenen Saison erleben musste. Positiv: der Klassenerhalt wurde frühzeitig erreicht und der 6. Platz geriet dank dem 4-4 im letzten Match auch nicht in Gefahr. Negativ: es gab brutal harte Klatschen und das Team gehörte zu den wenigen Mannschaften in der Oberliga Nord West, die (zu) viele Ausfälle zu verkraften hatten. Früher war das mal anders…

Aber vielleicht ist das 4-4 auch Gold wert. Denn rasch wurde an diesem Sonntag die Horrorgeschichte verbreitet, dass in einem Extremszenario auch der Drittletzte, also der Post SV Uelzen, absteigen könnte!
Bleiben wir lieber beim Konjunktiv.
Nun zum Rest des Wettkampfs.

Alex Hoffmann konnte mit einer sehr soliden Leistung gegen GM Fish ein Remis abgreifen, obwohl der Bremer mit der Rubinstein-Variante der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung zuletzt beinahe unschlagbar erschien.


Der bundesligaerfahrene Bremer (u.a. 2013/14 zusammen mit Stephan Buchal und Matthias Bluebaum im Kader der Bremer) brachte viel Zähigkeit in die Partie. Nach einem taktischen Scharmützel hatte Lichmann zwar Material gewonnen, dabei aber die tödliche Fesselung nach 29.Td8!+- übersehen. Zwischendurch war es mühsam für Ingo, aber am Ende zündete er den Turbo. Bilanz: 5 P (8) an Brett 2 – und das selbstredend ohne Remis! Remis- das Wort kennt Ingo zwar, macht aber kaum Gebrauch davon.

Danach gewann Jörg Stock. Es stand 3½-½. Dann kam die Wende…

Unser Mann am 7. Brett hatte es 2022 gleich 2x mit Dr. Reiner Franke zu tun. Er verlor beide Partien. Der Bremer hat dagegen gegen Helleraner ab 2017 sage und schreibe 100% verbuchen können. Diese Serie wollte er nicht abreißen lassen. Also gewann er, auch weil Reinhold (mit Schwarz) seine Angriffsoptionen etwas überschätzte. Verdiente Niederlage. Und 3½-1½.
Die Doppel-Null
Die Doppel-Null an den Brettern 5 und 8 war niederschmetternd. Stephan stand gegen Dr. Diederichsen unzweifelhaft und klar auf Gewinn, dann plötzlich nur noch gleich und nach Beendigung eines Springerendspiels mit leeren Händen da. Tragisch!
Olaf Steffens brachte wieder eine seiner eigenwilligen, aber leider auch guten Eröffnungen auf’s Brett. Der Bremer konnte aber nicht verhindern, dass all dies bereits bis zum 11. Zug schon einmal gespielt wurde. Vom Chinesen Liu Y – und der gewann. Mehr gibt es nicht zu sagen, denn was sich in der Schlussphase ereignete, kann so von den Schachfreunden Lehmann und Steffens nicht gespielt worden sein. Die Notation kann nicht stimmen.
Turmendspiele sind nichts für zarte Gemüter
Hannes Ewert gehört nicht dazu. Der FM hat in der 1. und 2. Bundesliga zu viel erlebt, um die Nerven zu verlieren. Auch dann, wenn er der Last Man Standing ist.

Das änderte nichts daran, dass das Turnendspiel gegen Max Weidenhöfer klar für Schwarz gewonnen war. Wenn man aber über fünf Stunden am Brett sitzt, können schräge Dinge geschehen.

Anstatt an dieser Stelle einige Gewinnstellungen zu präsentieren, soll eine Variante pars pro toto zeigen, auf welchem Level gespielt wurde. Im 35. Zug hätte der Bremer einen Turmtausch anbieten können (den Stockfish nicht berücksichtigt), der zu einer optisch klaren Gewinnstellung für Schwarz führt. Mit großer Wahrscheinlichkeit und sehr vielen komplizierten Manövern wäre es im 46. Zug zu der Diagrammstellung kommen. Ist doch einfach: g4-g3 gewinnt easy. Denkste. Zunächst ist Weiß am Zug und nach c4-c5 ist es Remis. Aber das musste man elf Züge früher sauber analysiert haben!
Nach 84 Zügen war es dann Remis. 4-4.
Vielen Dank, Jürgen!

Mannschaftsführer Jürgen Grosser legt sein Amt (fast) nieder. In einer komplizierten Saison hat Jürgen mit viel Engagement und gründlicher Planung die Erste gut durch die Saison gebracht. Es gab Probleme, die kurzfristig gelöst werden mussten – Jürgen schaffte es immer!
Nun reicht unser 2023 vom Verband geehrte Schachfreund den Staffelstab weiter, wird aber den neuen Mannschaftsführer bei seiner Arbeit unterstützen. Für Vergangenes und Zukünftiges dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön!
Fotos: © Thal, Jackl 2026, Hellern-Archiv 2023
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