VEM: Thorben Weist ist Meister – souverän!

6½ P von 7 – es geht rechnerisch noch besser, aber abgesehen davon ist ein Ergebnis für die Geschichtsbücher. Zumindest für die, die wir selber schreiben.
Herzlichen Glückwunsch, Thorben. Du hast es verdient.

 

Gutes Turnier, desolates Ende

Man muss nicht lange zählen. In der letzten Runde wurden nur noch vier Partien ausgespielt. Fünf wurden kampflos gewertet. Das ist zu viel.
Ungeachtet der individuellen Gründe und Motive ist das keine gute Werbung für den Verein und formal betrachtet eine Geringschätzung der Platzierungen ab Platz 2, die durchaus einen Wert gehabt hätten. Und das auch, weil das Turnier dadurch etwas Besonderes wurde, weil sich einige Spieler besser verkauften als es ihr Platz in der Start-/Rangliste vermuten ließ. Trotzdem soll die Tabelle an dieser Stelle nicht fehlen:

Jörg Stock wurde mit sechs gespielten Partien Zweiter – auch das ist souverän. Bester Gastspieler wurde Patrick Mayjohann, der sich mit fünf (!) Spielern den zweiten Platz teilte. Belohnt wurde er mit +27 DWZ-Punkte, was ihn über die 1900er-Grenze hievte. In der letzten Runde gewann er sehr eindrucksvoll gegen Harald Szobries.

Meyjohann1857Szobries18871–0C48Hellern Open 20187Hellern31.05.2018Szobries, Thal
1.e4 e5 2.f3 f6 3.c3 c6 4.b5 c5 5.d3 d4 Das wurde m. E. zum ersten Mal Anfang der 1990er Jahre gespielt. 5...0-0 6.xc6 wurde zuletzt sehr häufig gespielt: dxc6 1-0 (37) So,W (2778)-Karjakin,S (2782) Stavanger 2018 6.xd4 exd4 7.e2 c6 Schwarz hat absolut keine Sorgen. 8.c4 d5 9.exd5 xd5 10.0-0 0-0 11.f4! beschleunigt die weiße Entwicklung xf4!? 12.xf4 f6 Vermutlich Zeitverlust. Allerdings spielt die Engine dies auch. 13.g3 g6?! Die Neuerung. 13...d6 mit Tausch des ’schlechten‘ Läufers wäre eine Alternative gewesen, aber Weiß kann mit dem f-Bauern zurücknehmen und den Druck auf f7 verstärken (Szobries). 14.d2 xg3 15.fxg3 13...g6?! 14.e1 d7 15.e4 1-0 (31) Ferguson,M (2376)-Naylor,J (2229) Birmingham 2002 13...d7!= 14.d2 g4?! In Stellungen mit einer offenen Linie ist die Zeit gelegentlich der entscheidende Faktor, um mit den Schwerfiguren rasch in der Linie zu erscheinen. 14...d7 15.fe1 Nach dem Massenabtausch der Türme ist die Partie ziemlich ausgeglichen. Sehr interessant ist d6 weil Weiß danach auch mit einer Turmverdoppelung nicht viel erreicht: 16.e4 c5 17.ae1 ae8 18.xe8 xe8= 15.ae1 leider gewinnt Weiß nun die e-Linie (Szobries). ae8 16.xe8 16.f4? e2-+ 16...xe8 17.e1 f8? Immer noch ging 17...d7 18.xe8+ xe8 19.e1 und hier hat Schwarz keinen Ausgleich, weil der Anziehende auf den schwarzen Feldern für Ärger sorgt: f8 20.e5! b6 21.b8 b5 22.b3 g5 23.f4 e7 24.g3 und Schwarz muss noch einige technische Probleme lösen. 18.xe8+ xe8 19.f4+- f5 die schwarze Stellung ist nicht mehr zu halten! (Szobries). 20.b8+ c8 21.e5+ e7 22.xg7 f5 23.xd4 c5 24.h8+ e7 25.h4+ d7 25...d7 26.d8# 1–0

Überhaupt ist die DWZ-Auswertung diesmal aussagekräftiger als die Tabelle. Dabei sollte man besonders die Turnier-Performance (TP) beachten.
Ein tolles Turnier spielte Jens Gausmann (+55, TP: 1895). Steffen Schnier (+47, TP: 1935), Christopher Steinke (+43, TP: 1496), Thorben Weist (+41) und Stefan Ewert (+40, TP: 1963) sackten ebenfalls fette Gewinne ein. Auch Alfons Thöle darf sich mit +25/1839 freuen. Thorben glänzte zudem mit einer sagenhaften Turnier-Performance von 2304.
Des ein Freud‘ ist des anderen Leid. Und so spiegelten die Gewinne ziemlich mitleidlos die Verluste am Ende der DWZ-Liste wider. Dort mussten einige etablierte Spieler kräftig Federn lassen. Das allerdings ist auf gewisse Weise Werbung für ein Turnier, in dem einige Spieler keinen Respekt vor großen Name hatten.

Wir freuen uns auf die nächste Veranstaltung.