Die Gemeinde Schwarzach liegt in einem westlichen Zipfel Österreichs und hat die Grenzen zur Schweiz und zu Deutschland quasi vor der Haustür. Bekannt ist Schwarzach für das Sonnenterrassen Open. Die 39. Ausgabe war am letzten Wochenende zu Ende, sie zeichnete nicht nur Tradition, sondern auch Beliebtheit aus. So war Harry Szobries bereits 2024 am Start. Und danach verpasste er kein Turnier.
Die Landschaft ist jedenfalls schön
Bilder und Fotos liegen mir nicht vor. Auch keine persönlichen Impressionen. Gespielt wurde abends im Festsaal der Gemeinde, tagsüber konnte man in schöner Landschaft also Urlaub machen – wie auch immer der aussah in einer 3000-Seelen-Gemeinde. Die Landschaft ist jedenfalls schön.
Im neunrundigen A-Turnier hatten sich 47 Teilnehmer angemeldet. Nicht alle hielten durch. Sieger wurde mit 7 Punkten und einem halben Zähler Vorsprung GM Robert Zelcic, der keine Partie verlor. Zweiter wurde GM Zoran Jovanovic (6,5 P). Beide spielen für den SK Schwarzach in der 2. Bundesliga West (Österreich).
Talente waren auch unterwegs
Noch mehr Spieler hatten sich im B-Turnier gemeldet, nämlich 62. Harry landete mit einer ELO 1896 in der Start-/Rangliste auf Platz 22. Es war also klar, dass dies ein starkes Amateurturnier ist und ein Turniersieg nicht zu erwarten war. Am Ende landete Harry aber mit guten 5½ P auf dem 11.-15. Platz. Nach Feinwertung auf Nr. 15 (+4 =3 -2). Also ein befriedigendes bis gutes Abschneiden. Mit etwas Glück wären auch 6,5 P möglich gewesen.
Sieger wurde der Deutsch Kevin Narr mit 7,5 P. SF Narr (ELO 2059) spielt für den SV Stockenhausen-Frommern. Entschieden wurde der Turniersieg durch die Feinwertung. Hier hatte Narr einen Punkt mehr als die 13-jährige Donets, die nur eine Partie verlor, aber eine andere kampflos gewann. Talente waren in Schwarzach reichlich unterwegs.
Nun aber zu unserem Mitstreiter. In Runde 1 hatte Harry Probleme, denn Hagen Matthias Schmied spielte extrem scharf und stand nach 9. Zug bereits besser. Harry konsolidierte die Stellung zeitweise, stand aber nach dem 21. Zug auf Verlust. Dann verbiss er sich in die Partie, verpasste aber eine Taktik, die in ein gewonnenes Endspiel geführt hätte.
Pech und Ermüdung kamen in dieser hart umkämpften Partie zusammen. Aber insgesamt war das Ergebnis leistungsgerecht.

In Runde 2 spielte Mario Bräuer eine starke Eröffnung. Eine Vorentscheidung fiel dann im 12. Zug. Zuvor war f7-f5 zu optimistisch gewesen. Es folgte das Opfer 12.Sd7xe5. Harry hatte erkannt, dass der Bc6 gefesselt ist und Lxd5 folgen kann. Eine Ablehnung des Opfers hätte die schwarze Stellung nicht gerettet.
Runde 3: Nun hatte Harry einen dicken Fisch zu fangen. Der zum Favoritenkreis gehörende Stefan Calvi (ELO 2015) hatte das Pech, dass Harry richtig gut spielte. Mit den schwarzen Steinen bekam er rasch eine starke Initiative und nach einem Opfer (zuvor hatte Harry einen Quallegewinn selbstbewusst ignoriert) gab SF Calvi auf. „Zu früh“, meinte Harry, aber Weiß war genervt und hätte für den halben Zug hart arbeiten müssen.
2½ v. 3! Das war eine Ansage. Aber würde das ewig so weitergehen?
Als Nächster war Andreas Schindele dran, der nach der folgenden Partie um Platz 1 kämpfte, bis er in Runde 8 dem späteren Turniersieger unterlag. Die Runde 4 wurde zunächst zum Event. Wieder einmal spielte Harry eine Eröffnung mit absoluter Präzision. Gelegentlich bewegte er sich dabei auf Oberliga-Niveau. Gegen SF Schindele war es nicht anders. Im 9. Zug entkorkte Harry mit den weißen Steinen einen Zug, den GM Marin als völlige Widerlegung des schwarzen Aufbaus bezeichnete. Dann verpuffte der Vorteil, aber im 22. Zug stand Harry nach einem Fehler seines Gegners erneut auf Gewinn! Er fand die Lösung nicht und stand danach auf Verlust – was nun SF Schindele nicht viel half. Wenig später war der Drops gelutscht. Harry hatte den Punkt.
Pustekuchen. Denn nun geschah Folgendes:
Ich habe bereits in einem anderen Artikel erwähnt, dass solche Aussetzer unterschiedliche Gründe haben. Zum Beispiel kann eine Unterzuckerung zu kognitiven Fehlentscheidungen führen. Immerhin verbraten Schachspieler bis zu 80% ihrer Glukose-Reserven während einer Partie. Das sind keine Ammenmärchen, es sind experimentell bestätigte wissenschaftliche Erkenntnisse. Auf jeden Fall war der Weg nach oben nun verstellt.
Runde 5: Theoretisch wurde Mario Rella, der in Österreich den Ruf eines vielversprechenden Nachwuchstalents hat, völlig überspielt. Aber der Vortag steckte unserem Mitstreiter noch in den Knochen, zu viele Gewinnzüge blieben liegen. Zur Strafe musste Harry in ein Endspiel abwickeln. Der Sieg gelang was ihm fehlerfrei.
3½ (5) – das war eine prächtige Halbzeitbilanz. Harry war Zwölfter, nur einen Punkt von der Spitze entfernt. Aber nun musste er alle Partien gewinnen!
Zweite Turnierhälfte mit Abstrichen
Um es vorwegzunehmen: es gelang nicht. Dafür sorgte in Runde 6 die Niederlage gegen den späteren Neunten Simon Fellmayr. Eine klitzekleine theoretische Ungenauigkeit führte in letzter Konsequenz zu Harrys Verluststellung. Da sein Gegner nichts damit anfangen konnte, drehte Harry den Spieß um. Und danach musste er gewinnen. Eigentlich.
Ein voller Punkt wartete in folgender Stellung auf ihn.
Diesmal war Weiß nicht der theoretisch überlegene Spieler. Beide Akteure standen irgendwann haushoch auf Gewinn (Schwarz bereits im 11. Zug), doch ihnen fehlten die taktischen Skills, um etwas daraus zu machen. Allerdings ist das kein Wunder, wenn vier Springer im Zentrum herumtoben. Am Ende hatte SF Fellmayr Glück: er gewann einen Bauern, während die weiße Königsstellung zerrüttet wurde. Das konnte man nicht mehr einstellen.
In Runde 7 ging es dann mit Schwarz gegen den 13-jährigen Adam Szakolczai. Mit einer Rating von knapp über 1500 ein sehr unangenehmer Gegner. „The Kid“ spielte dann auch streckenweise wie die Engine. Das verdient Respekt. Andererseits stellte er mehrfach die Partie ein. Die Gewinnabwicklungen entsprachen leider der Komplexität der Partie. Also Remis.Etwas schade. Ein Sieg hätte Harry auf den geteilten 6. Platz gebracht.
Runde 8

Man spürte, dass jetzt die Kondition auf dem Prüfstand war. Das Problem der Partie gegen Roland Kuttnig: sie wurde nicht gewonnen! Im 15. Zug steht Harry mit Weiß auf auf Gewinn, streckenweise mit +5. Bis zum 25. Zug. Dort angelangt wollte er in ein gewonnenes Endspiel abwickeln, aber das Ergebnis war eine Remisstellung! Und die konnte die man nicht mehr gewinnen. Selbst Carlsen hätte dies nicht vermocht. Stockfish schaffte es auch nicht. Statt 25.Sxf6 gewann 25.Lxf6 Lxf6. Und nun kann jeder Leser herausfinden, welche Rolle nach 26.Sc7 Te7 27.Sxe6 der Lg2 spielen wird. Harry war nun auf Platz 22. Ein Sieg musste her.
Runde 9
Und der kam auch! Der 19-Jährige Christos Magos hatte sich im Vorjahr bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften im Rapid und Blitzschach gegen deutlich überlegene Gegner ordentlich präsentiert und danach erfolgreich an seiner Rating geschraubt. Harry tat sich anfangs etwas schwer mit dem Österreicher, stand aber nach 22 Zügen auf Gewinn. Das verhinderte aber nicht das taktische Chaos, für das beide Spieler verantwortlich waren. Nach dem 31. Zug war Harry plötzlich verloren. Aber was beweist das schon?
Wenn das kein Thriller war…
Unterm Strich ein zufriedenstellender Schlusspunkt, der Harry mit 5,5 (9) in die Top 15 brachte, also deutlich über dem Platz in der Start-Rangliste. 6 oder 6,5 Punkte wären mit mehr Glück durchaus möglich gewesen, aber so funktioniert ein anstrengendes Turnier nicht.
Score
Schlusstabelle Plätze 1-10
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