Wo landen wir? Die Oberliga-Prognose!

Wie in jedem Jahr schauen wir uns die kommenden Gegner in einer Liga an, deren Rating-Gefälle in einem Worst Case-Szenario bis zu 350 Punkte betragen kann. Auch diesmal wird die ELO-Auswertung der nationalen Rating vorgezogen. Und auch diesmal werden Ab- und Zugänge bei der Konkurrenz analysiert. Unser Mannschaftsführer FM Hannes Ewert kam dabei zu interessanten Erkenntnissen. Kurz gesagt: Hellern muss wieder einmal alles raushauen! Ein Beitrag von MF Hannes Ewert.

Optisch sieht es gut aus

Oberliga Nord West Prognose 2026-27

Legende: die o.a. Grafik wertet ELO aus, nicht DWZ. Als aussagekräftig wurden die Mittelwerte der Bretter 1-12 ermittelt (s. „12er“). Dass Mannschaften überwiegend mit „voller Kapelle“ antreten, ist ein nicht wahrscheinliches Szenario. Grün: alle Teams, die über dem Liga-Mittelwert von 2160 liegen. Gelb: alle Teams, die dieses Kriterium nicht erfüllen, aber über den beiden letztplatzierten Mannschaften liegen. Lila: die „Danger Zone“ – diese Mannschaft sind – statistisch betrachtet – gefährdet (O.T.).

Hamelner SV

Nach dem „Ausrutscher“ (also dem Abstieg) in 23/24 hatte man 24/25 am 5. Spieltag knapp gegen Gliesmarode verloren, daher wurde Hameln nur Zweiter. In der Saison 25/26 ist man in der Landesliga Nord durchmarschiert, hat fast alles gewonnen, somit ein souveräner Aufsteiger. Statt Poschadel spielt nun Mundörfer als junger Spieler in den ersten acht.

Hellern – SF Hameln = 3-5, März 2022

Insgesamt aber wenig Veränderungen, man kennt die üblichen Verdächtigen (Bode, Tonndorf, Renner usw.). Man wird sehen, wo sie am Ende stehen werden, aber natürlich spielen sie gegen den Abstieg.

HSK Lister Turm 1

Nach dem Abstieg der 1. Mannschaft in 25/26 aus der 2. Bundesliga Nord musste HSK 2 als Zweiter der Oberliga Nord West zwangsabsteigen. Somit startet HSK 1 nun in der Oberliga Nord West und HSK 2 in der Landesliga Süd.
Tja, die Mannschaft ist natürlich gespickt mit starken deutschen Spielern, die regional verwurzelt sind. Das ist natürlich ein Vorteil, weil dort langfristig etwas aufgebaut werden kann bzw. wurde. Natürlich sind Felix Hampel und Stefan Walter „Neue“, aber nicht klassische Neuzugänge, da sie aufgrund der Situation rund um den Abstieg weiterhin in der ersten Mannschaft spielen, nur eine Liga weiter unten.

Gronde – Gentemann, 2014 (Hellern – Lister Turm = 4,5-3,5)

Verlassen haben die 1. Mannschaft z.B. Torben Knüdel und Markus Lammers. Insgesamt eine überdurchschnittlich starke Mannschaft, die sicherlich aufsteigen will. Vor allem in der Breite ist dieser Kader eine Macht, da auch von unten weiterhin Spieler mit 2250+ hochgezogen werden können. Bis in die 2. Mannschaft sitzen an Brett 5 weiterhin Spieler mit 2200+, das ist schon stark. Klarer Aufstiegsfavorit.

Delmenhorster SK

Der letztjährige Meister, aber nicht Aufsteiger, hat sich nochmal mit zwei polnischen Spielern verstärkt (2250 + 2400), bei denen man gespannt sein darf, wie oft diese spielen werden. Der Kern ist soweit geblieben, nur Brettverschiebungen fanden statt (Chokhonelidze spielt weiter hinten). Das ist natürlich eine unangenehme Mannschaft, da auch hier vor allem an den unteren Brettern eine starke Breite des Kaders zu sehen ist. Die Mannschaft ist natürlich nicht so stark wie HSK, aber man spielt sicherlich oben mit.

Post SV Uelzen

Hier überrascht mich vor allem, dass Sascha Wiegmann in der 1. Mannschaft an 9  und in der 2. Mannschaft an 1 gemeldet wurde. Grundsätzlich kein Stammspieler, weil er keine 9 Partien spielt, aber einen Spieler mit 2250+ gibt man nicht gern ab. Dafür kommt mit Jannik Rothenberg ein Spieler, der inaktiv war und selten spielt.
Ansonsten wenig Veränderungen, Finn Crispin Burnus wurde etwas hochgezogen. Ansonsten ist das eine Mannschaft, die extrem jung ist im Vergleich zum Rest der Liga (außer evtl. Hagen 1, Lehrte 1 und HSK 1), die aber alle eine gute Spielstärke aufweisen.

SK Union Oldenburg

Auch hier keine Neuzugänge, der Kern der Mannschaft bleibt gleich. Ernst Heinemann und Enno Escholz haben hinten die Plätze getauscht, ansonsten sind Bredemeier und Müer nach oben gezogen worden. Starke, ausgeglichene Mannschaft, aber ohne Topspieler.

Hagener SV

Aufsteiger aus der Landesliga Nord mit 13 Punkten, knapp vor der SG Osnabrück. Man war gespannt, ob z.B. ein Nikolas Lubbe aktiviert und bezahlt werden kann, aber Lubbe spielt weiterhin beim Hamburger SK II. Hagen bleibt also seinem Stil treu und setzt vor allem auf junge Spieler.
Hagen wird es sicherlich schwer haben, vor allem ab Brett 6 ist man doch deutlich unter der durchschnittlichen Wertungszahl (egal, ob DWZ/ELO).
Man hat im Vergleich zur Landesliga-Saison einige Spieler nicht gemeldet, die sowieso nicht gespielt haben (Bonacic, Bach, Tietje, Rieping). Ob Lukas Beinke und Paul Laubrock spielen werden, ist unklar, da beide in der letzten Saison auch nicht gespielt haben.

SV Werder Bremen 3

Eine spannende Truppe, die sich im Vergleich zum Rest der Liga stärker verändert hat, da die Bremer die meisten Neuzugänge haben. Auffällig ist hier natürlich, dass vor allem die jungen Spieler Nikita Nechitaylo, Edward Bunda und Nazar Tarasenko Teil des Oberliga-Kaders sind. Nikita wird durch die sehr starke Saison in der 2. Bundesliga beim HSK Lister Turm wohl kaum Stammspieler in der Oberliga Nord West sein, da er auch auf der Werder-Homepage als Verstärkung für die 2. Mannschaft in der 2. Bundesliga Nord vorgestellt wurde. Er ist dort an 11 gemeldet.

Nazar Tarasenko 2023 ist mittlerweile größer und stärker.

Edward und Nazar sind natürlich interessant, da Sie noch sehr jung sind, aber schon eine gute Spielstärke mit sich bringen. Man darf gespannt sein, wie viele Punkte sie holen werden. In der 2. Liga sind sie nicht gemeldet.
Abgänge sind z.B. Davit Lobzhanidze, David Kardoeus, diese konnte ich in keiner Meldung finden. Eine starke Truppe, gespickt mit jungen Spielern (u.a. auch Weidenhöfer und Chitsazian), die sicherlich für eine Überraschung gut ist.

SK Lehrte

Lehrte hat sich vorne mit FM Andreas Penzold verstärkt, ich kannte ihn vorher nicht. Penzold spielte in der 2. Bundesliga und noch öfter in diversen Oberligen – ein konstant starker Spieler, der seinen Level hält. 2025/26 spielte er laut DSB-Rating-Datenbank in der 2. Oberliga Ost Staffel B für den SV Babelsberg o3 und holte 6 P (8) an Brett 1.
Durch den Neuzugang wird natürlich die gesamte Mannschaft verstärkt, da alle ein Bretter runterrutschen.  Dr. Günter Schrüfer ist nicht mehr in den ersten Acht, obwohl er ordentlich gepunktet hat. Sonst fällt natürlich auch hier auf, dass das Team sehr jung ist. Rund um Stelmaszyk, Weigend, Reimer, Kieselbach und Zweigait. Zweigait rutscht nun für Marvin Kieselbach rein

SK Nordhorn-Blanke

Bei unserem Emsland-Konkurrenten hat sich fast nichts geändert. Nur dass das Nachwuchstalent Jan Holtwessels hochgezogen wurde. Fabian Stotyn wurde dafür an 9 gemeldet. Jan strebt zügig der 2100 entgegen – und gegen Hellern holte er 100%. Dies sollten wir am 27.9 in unserem Heimspiel gegen NOH beenden.

Holtwessels – Hart (36. Nordhorner Schachfestival 2025, November 2025)
Fazit

Durch die Spielansetzungen werden wir vermutlich am Anfang viele starke Gegner haben, die Aussicht auf Erfolg ist eher begrenzt. Die schwächeren Gegner kommen für uns  gegen Ende der Saison.
Wir müssen daher versuchen, am Anfang möglichst viele Punkte zu holen, damit wir nicht gegen Ende so stark unter Druck stehen und es um „4-Punkte-Spiele“ geht. Wir müssen auch darauf achten, dass die Moral nicht sinkt, wenn wir z.B. eine Doppelnull wegstecken müssen (Nordhorn, Werder III).
Der Wettkampf in Uelzen wird extrem wichtig, da wir dort als Auswärtsmannschaft schauen müssen, dass wir eine schlagkräftige Truppe an den Start kriegen.
Alles in allem: Die Oberliga wird immer stärker, ich bin als Mannschaftsführer mit dem Kader soweit zufrieden. Dieses Jahr müssen wir überstehen. Ich möchte die Mannschaft aber punktuell im nächsten Jahr verstärken, damit wir uns in Richtung „Topmannschaft“ orientieren können.

Meine persönliche Prognose (ich plane konservativ): Platz 7.

Grüße, Hannes

Fotos: © Hellern Archiv