Als der Berichterstatter voller Vorfreude auf das spannende Finale der Offenen Vereinsmeisterschaft den Spielsaal betrat, war alles vorbei. Gähnende Leere erwartete ihn nicht. Immerhin gab es einen Tisch, um den sich zahlreiche Schachfreunde gut gelaunt versammelt hatten. Schach gespielt wurde nicht.
30% der Partien wurden nicht ausgetragen
Die einzige Partie der Finalrunde wurde zu einem anderen Zeitpunkt ausgetragen. Alle anderen Partien wurde im wahrsten Sinn des Wortes kampflos ausgetragen. Die Gegner von Hajo Bade und Stefan Ewert hatten abgesagt. Und so wurde Hajo erneut Erster und Vereinsmeister – und dies dank der denkbar knappsten Feinwertung. Den Schaden traf allein Stefan, der theoretisch eine Chance auf den Titel gehabt hatte. Sie wurde ihm verwehrt.


Das verdarb natürlich den Kiebitzen das spannende Finale. Und so spiegelte ausgerechnet die letzte Runde das Problem des gesamten Turniers wider: zu wenig Meldungen, zwei Rücktritte (einer aus gesundheitlichen Gründen) und der Ausfall eines Spielers, der an der zweiten Turnierhälfte nicht mehr teilnahm. Motivation und Turnierdisziplin waren auf der Strecke geblieben. Neun Spiele konnten daher nicht ausgetragen werden – sie verschwanden in der großen Leere. Dies allein dem Format anzulasten ist allerdings zu billig. Trotzdem kündigte Spielleiter Norbert Sobotta eine Alternative an.

Das Format ist tot – es lebe das neue Format
Ein Blick zurück. Die Offene Vereinsmeisterschaft mitsamt der Vergabe von zwei Titeln (Open-Sieger, Vereinsmeister) war ein Erfolgsmodell. 2020 wurde trotz der beginnenden Covid-Pandemie mit 21 Teilnehmern sogar in zwei Gruppen gespielt. 2021 wurde aus bekannten Gründe nicht gespielt. Danach schien alles wieder gut zu funktionieren. 2022: 16 Teilnehmer, 2023: 18. Der Knick schlich sich langsam ein. Viele zuvor sehr aktive Jugendspieler fehlten immer häufiger. 2023 meldeten sich 13 Schachfreunde an, 2024 waren es nur noch 10. Und 2026 war es ein halbes Dutzend, das konsequent das Turnier zu Ende spielte.

So überraschte es nicht, dass Norbert Sobotta auch das Format auf den Prüfstand stellte: „Nächstes Jahr werden wir wieder ein Turnier anbieten. Aufgrund der rückläufigen Teilnehmerzahl werden wir den Modus voraussichtlich ändern. Nach jetzigem Stand beabsichtigen wir nach den Sommerferien, aber vor Beginn der neuen Saison, ein 3-tägiges Turnier an einem Wochenende durchzuführen (1. Runde am Freitag, am Samstag und Sonntag je 2 Runden). Ich hoffe, ihr nehmt nächstes Jahr wieder teil.“
Das ist eine gute Idee und erst recht einen Versuch wert. Das Weekend-Turnier scheint im Moment sehr viele Schachfreunde anzuziehen. Immer häufiger werden daher derartige Open mit diesem Format angeboten: Der Trend ist dein Freund!
Der Vorteil: auf das Ende muss man nicht mehr sechs Monate warten, alles wird in einem 3-Tage-Rutsch erledigt. Das ist der neue Zeitgeist.
Allein das zeitliche Format wird es aber nicht richten. Zusätzlich muss man mehr Spieler aus dem eigenen Verein motivieren, sich bei unserer Vereinsmeisterschaft anzumelden. Sachpreise könnten dabei helfen.

Fotos: © Thal, Hellern-Archiv
