Sechste holt den ersten Sieg

Am gestrigen Samstag standen die dritten Runden der Bezirksklasse und der 1. Kreisklasse ganz im Zeichen der jüngsten Corona-Entwicklungen: 2G für Erwachsene und tagesaktueller Test für ungeimpfte Kinder und Jugendliche, also einiges zu kontrollieren und organisieren. Interessante und spannende Partien wurden dennoch gespielt, mit einem Happy End für Hellern, und das in beiden Wettkämpfen. Hier aber nur der Bericht über die Sechste.

Gleich mit zwei Mannschaften startet der Hagener SV in dieser Saison in der 1. Kreisklasse Osnabrück. Wir trafen in unserem Heimspiel auf Hagen 3, die nominell stärker als alle anderen Teams sind. Aber bei Hagen weiß man nie, wer kommt. Dennoch waren wir ziemlich überrascht, dass von den gemeldeten sechs Spieler*innen der Dritten Hagener Mannschaft niemand und aus der Vierten Mannschaft gerade mal ein gemeldeter Spieler kam.

Wir dagegen hatten die Bestbesetzung eingeplant: Neben mir (Robert Gillenkirch) Simon Brakmann, Jonas Schemann, Juri Gernhardt, Manuel Kamps und unser „Ersatzmann“ Konstantin Hindersmann. Eingeplant. Es war kurz vor 16:00 Uhr, als Simon mit blutigem Knie, zerissener Hose und ramponiertem Handgelenk auftauchte. Sturz mit dem Fahrrad, Die Familie war bereits auf dem Weg, ihn abzuholen. Gute Besserung Simon!

Wie bereitet man sich auf einem Schach-Mannschaftswettkampf in Corona-Winterzeiten vor? Man sucht sich aus dem Kleiderschrank die wärmsten Klamotten heraus! Denn ohne beständiges Lüften kein Fortwehen der Aerosole. So blieben Fenster und Türen während des gesamten Wettkampfs geöffnet, mit der komisch anmutenden Konsequenz von Spielern in Winterjacke am Brett.

Brett 2 blieb also leer, und nach einigen Verkomplizierungen der am Ende erfolgreichen 2G/3G-Kontrollen konnte es endlich losgehen.

SV Hellern 6 – Hagener SV 4: Einzelergebnisse (Quelle: nsv-online.de)

Ein Blick auf Konstantins Brett verhieß den baldigen Ausgleich. Konstantin hatte seinen Hagener Gegner „am Wickel“, und diesmal hatte Konstantin seinen ungeliebten Bruder Leichtfuß offenbar im Schrank weggesperrt, denn er spielte die Partie problemlos zum vollen Punkt zu Ende. Bei Juri war es ähnlich: Sein Gegner stellte zu seinem Unglück die Dame ein, spielte danach weiter, war aber gegen den sehr sicheren Juri chancenlos. Juri steht nun bei 3 aus 3, Konstantin hat nur schwache 2,5 aus 3 (Zwinkersmilie). Machen beide so weiter, werden Sie am Ende der Saison DWZ-Zahlen haben, die ihrer Spielstärke wohl nahe kommen.

Manuel hatte die lange Nacht der Mathematik hinter sich und kam erkennbar müde an. Seiner Partie merkte man das aber zunächst nicht an, er spielte sehr überlegt und erarbeitete sich klaren Vorteil – bis er sich verleiten ließ, das Zugtempo seines Gegners mitzugehen. Wer Turmendspiele ohne lange nachzudenken herunterblitzt und weiß, was er dabei tut, heißt Magnus Carlsen oder Maxime Vavchier-Lagrave (oder so), aber bei den beiden Kontrahenten am fünften Brett war die Folge eine Art Schach-Lotterie. Und leider zog Manuel die Niete, geriet nach Turmtausch von einem gewonnenen Turm- in ein verlorenes Bauernendspiel. Schade.

Somit blieben Jonas und ich. Jonas spielte Caro-Kann und sah sich einer Art verkrüppeltem Panow-Angriff gegenüber, denn Weiß spielte e4 und c4 ohne d4. (Die normale Zugfolge ist 1. e4 c6 2. 2. d4 d5 3. exd5 cxd5 4. c4.) Jonas hatte das wohl noch nie gesehen (wo auch?) und wusste daher wahrscheinlich selbst nicht, wie er stand. Im Laufe der Partie wurde aber klar, wer den besseren Plan entwickelte, spätestens als Jonas einen starken Angriff auf den weißen König über das Feld f2 aufbauen konnte. Dann aber verlor er den Faden und sah sich plötzlich unangenehmen Drohungen (Abzugsschach mit Damenverlust, schwache Grundreihe) gegenüber. Wie stark Jonas geworden ist, zeigte sich in dieser Phase, denn er blieb ruhig, gab Material zurück und konsolidierte seine Stellung. Als ich um Zug 30 herum auf die Uhren sah, zeigten diese 20 für Jonas und 17 für den Hagener an. Erst als Jonas gezogen hatte, sah ich, dass es 20 Minuten gegen 17 Sekunden waren! Das konnte der Hagener nicht überstehen, und bei Überschreiten der Zeit war auch die Stellung rettungslos. Ein wackeliger, aber letztlich überzeugender Sieg von Jonas, der noch im Pokal den amtierenden Vereinsmeister Ludger Wöllermann am Rande der Niederlage hatte. Auch Jonas steht nun bei 2,5 aus 3 und könnte mit Konsti und Juri über die Saison noch ein Trio Infernale für alle Gegner werden.

Ich selbst hatte zunächst mit der Organisation alle Hände voll zu tun. Auf die Partie konzentrieren war (ähnlich wie bei Niels Dettmer in der Vierten) nicht möglich, aber zum Glück waren die ersten Züge Standard, und erst der elfte Zug erforderte eine wohl bedachte Entscheidung, die ich prompt etwas ungenau traf. Interessant wurde es im 16. Zug: Weiß spielte 16. Dd3?! und bot damit ein interessantes Figurenopfer an, das ich annahm: 16. … f5 (linkes Diagramm). Die für Schwarz gefährliche Fortsetzung ist nun 17. Sxe5 Sxe5 18. dxe5 fxe4 19. Dxe4, rechtes Diagramm, wonach die Engine aufgrund der beiden weißen Bauern und der Schwächung der schwarzen Rochadestellung volle Kompensation anzeigt. Der Hagener aber sah diese Fortsetzung wohl nicht und wickelte in ein verlorenes Endspiel ab, das ich ungefährdet verwerten konnte.

Altevogt – Gillenkirch,. Stellung nach 16. f5

Altevogt – Gillenkirch (Variante)

Am Ende also ein 4:2, ein Ergebnis, das auch nach der Papierform möglich war, aber angesichts des Pechs von Simon und des Unglücks von Manuel im Grunde sogar zu niedrig ausfiel.

Weiter geht es – sofern uns die Pandemie nicht einen Strich durch das Schachspiel macht – am 11. Dezember in Hagen gegen Hagen 4. Da zugleich Hagen 3 gegen den OSV 5 spielt, können wir rechnerisch die Hinrunde sogar als Tabellenführer abschließen – allerdings auch als Tabellenletzter! Zum Glück kann uns der Tabellenplatz wurscht sein.