Hellern 1 – Nordhorn-Blanke = 4½-3½
Punkte sind das Ziel. Aber das Schöne am Schach ist das Gelingen. Die kreativen Momente, in denen aus einer Idee ein Zug wird, der nach stundenlangem Kampf zur Entscheidung führt. Noch schöner ist es, wenn man als Team das Momentum erkennt und mit aller Kraft einen Wettkampf gewinnt, der auf Messers Schneide stand. Gestern war so ein Tag.
Die Serie ist gerissen
Das Emsland-Derby zwischen dem SV Hellern und dem SK Nordhorn-Blanke gehört zu den Highlights einer Saison. Zuletzt machte es wenig Spaß, denn nach Corona gab es nur 2023/24 einen Teilerfolg – ein 4-4 gegen die Nordhorner. Und das sogar auswärts.
Gründe? Klar! Ausfälle, Absagen, das Übliche halt. Aber hatten unsere Derby-Freunde nicht ähnliche Probleme? Hatten sie, auch am Sonntag. Aber in der Regel konnten sie das mit ihrem breiten Kader kompensieren. Etwas finde ich jedoch interessant: nach der Pandemie mussten wir uns meistens in der 1. Runde dem Derby stellen. Mit einer Ausnahme setzte es Klatschen. Vor der Pandemie sah es anders aus: wir gewannen vier von sechs Matches. Noch interessanter: diese Wettkämpfe fanden überwiegend mitten in der Saison statt! Wir hatten uns wohl warmgespielt. 12x trafen wir in aufeinander, 6x gewann Nordhorn, 5x Hellern und einmal wurde es ein 4-4.
NOH-Blanke führt schnell
Am Sonntag ging es wieder in die falsche Richtung. Nordhorn führte rasch mit 2-1. Stephan Niendieker spielte gegen FM Bierenbroodspot einen seriösen Katalanen: Remis. Wenig später musste Dr. Christian Böttcher gegen FM Bertholee die Uhr anhalten. Der Nordhorner hatte im 11. Zug einen Engine-Move ausgepackt, der bislang nur einmal gespielt wurde. Spätestens nach 18 Züge war die Messe gelesen. Tolle Partie vom Nordhorner! Und nach Holger Lehmanns Kurzremis gegen Timo Oehne (immerhin mit Schwarz) führten die Gäste mit 2-1.

Den Anschluss stellte Jens Güting her. Die Partieanlage sah aus wie ein entfernter Verwandter der Kalaschnikow-Variante, die mit einem weißen Königsläufer-Fianchetto abgeschmeckt wurde. Bereits nach dem 6. Zug von Jens verfiel das Nachwuchstalent Jan Holtwessels in tiefes Grübeln, drohte Weiß immerhin mit dem Einsteigen eines Springers auf d6.

Dann wählte SF Holtwessels nicht des besten Zug. Nur am Rande: das von Fabian Stotyn erwähnte d6-d5 ist zwar ein Enginezug, aber Fakt ist auch, dass Weiß auch danach die meisten Partien gewinnt.
Dass 2-2 hielt nicht lange dem Druck der Nordhorner stand. Auch unser Jungtalent (und Neuzugang) Maximillian Stiller kam unter die Räder.

Alexander Baisakow zeigte, warum er mal in der 2. Bundesliga Schach gespielt hat. Spätestens als er einen Turm auf der 3. Reihe platzierte, konnte einem mulmig werden.
Also 2-3 … Die Uhr zeigt 14:30 Uhr an.
Das Finish kam wie ein Gewitter
Und das bedeutet, dass auf den Blitz sofort der Donner folgt. Die folgenden Ereignisse spielten sich zwischen 15:10 und 15:17 Uhr ab (ohne Gewähr).
Kommen wir zum Mannschaftsführer. Hannes Ewert, neben Dr. Ingo Gronde der einzige Titelträger in unseren Reihen, legte sich ins Zeug. Und zwar von Beginn an. Da sich Beginn und Gewinn reimen, konnte man hoffen, dass Letzteres der Fall sein wird.

Wir steigen in der kritischen Stellung ein: Schwarz versucht, die weißfeldrigen Läufer zu tauschen. Folgendes passiert nun:
Es ist 15:10, als das Ergebnis online erscheint. 3-3! Was geht hier ab?

Drei Minuten später: Jörg Stock remisiert mit Fabian Stotyn. Es stellt sich heraus, dass Jörg auf + 6 steht und trotzdem Zugwiederholung spielt. Später wird er sich ärgern, weil er gerne weitergespielt hätte. Aber Disziplin und Vernunft obsiegen. Ein einziger Aussetzer kann alles kaputt machen. Und da Alex nicht verlieren kann, sichert Jörg das Unentschieden. Seine eindrucksvolle Partie bekommt daher mehr Nachspielumfang.


Vier Minuten später macht Alex den Sack zu. Es ist 15:17 Uhr. Die Partie der beiden Topspieler enthält keine Kracher. Es wird auch nicht spektakulär geopfert. Es geht um anderes: Wer hat die besseren Leichtfiguren? Wie könnte das Endspiel aussehen? Für Kiebitze ist das Ringen um entscheidende Felder und das vorsichtige Lavieren kein Vergnügen à la carte. Aber man kann viel lernen. Meisterschach halt.
Dann ist es vorbei. Hellern hat das Derby gewonnen. Das erste Mal seit sieben Jahren. Die Nordhorner werden dies irgendwann passend beantworten, man kennt das ja. Aber nicht mehr in dieser Saison. Diesmal waren wir dran.
Tabelle und Review
Hameln wehrte sich nach Kräften, aber Lehrte war an den Bretter 1-4 deutlich erfolgreicher. Der HSK Lister Turm war dies auch, musste aber gegen zähe Bremer hart um die vollen Punkte kämpfen. Mit Werder III werden wir uns in Runde 2 auswärts beschäftigen – es wird hart.
Der hohe Sieg von Delmenhorst gegen den Aufsteiger aus Hagen überrascht nicht. Die Hagener werden ihre Chance bekommen, wenn sie mit den Top 8 antreten. Die Oldenburger hatten ebenfalls keinen guten Start. Uelzen kann sich über einen erfolgreichen Saisonbeginn freuen. Schaut man sich nämlich die ELO-Zahlen an, dann hätte alles auch anders kommen können.
Fotos: Thal © 2026



