Viel Regen, wenig Traufe

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Nasse Füße hat die Dritte in Emden nicht bekommen. Was dieser Wettkampf sonst noch mit Wasser und Regen zu tun hatte, davon berichtet Matthias Peistrup.

 

Der aufkommenden Tradition, die Mannschaftskampfberichte mit populärphilosophischen Alltagsbildern zu illustrieren, will sich auch der Berichterstatter des Wettkampfes KS Emden – SV Hellern III am 3. Spieltag der Verbandsliga 2015/2016 nicht komplett entziehen. Da aber „Viel Licht, wenig Schatten – Teil 3“ sowohl wenig kreativ als auch in diesem besonderen Fall unpassend gewesen wäre, sollen nun also mit „Viel Regen, wenig Traufe“ mal die Hobby-Meteorologen und Architekten unter uns zu ihrem Recht kommen, wobei ich zugeben muss, dass ich sicherheitshalber nochmal „Traufe“ gegoogelt habe, um sicherzustellen, dass das Bild aus bauphysikalischer Sicht nicht schräg wird.

Genau genommen ist das mit dem Regen auch gar kein Bild, sondern die banale Realität eines Novembersonntags, der außer viel Nass von oben nichts sonderlich Spektakuläres zu bieten hatte. Ein guter Tag also, um Schach zu spielen, noch dazu mit historischen Dimensionen, denn dieses Vergnügen war mit der längsten Auswärtsfahrt einer dritten Helleraner Schachmannschaft seit Menschengedenken verbunden. Um diesen Anlass gebührend zu feiern, entschied sich eine Fünfer-Truppe, bereits am Samstagabend anzureisen, um erstens das weit über die Stadtgrenzen hinaus komplett unbekannte Emdener Kneipenleben einer eingehenden Inspektion zu unterziehen und sich zweitens natürlich schon einmal optimal auf den kommenden Gegner vorzubereiten.

Das hat auch richtig gut geklappt – zumindest was den ersten Teil des Planes angeht, wobei man fairerweise sagen muss, dass das Feier-Ausmaß einer ebenso historischen Mannschaftsfahrt der Ersten nach Stade deutlich unterboten wurde. Und aus anderen Sportarten ist bereits bekannt, dass sich Teambuilding-Maßnahmen weniger auf den kurzfristigen Erfolg als auf den langfristigen Zusammenhalt einer Mannschaft auswirken, insofern: Alles richtig gemacht! Das Nachzügler-Auto holte 3 aus 3 und so konnte der Tag auch in historischen Dimensionen abgeschlossen werden: Der erste Punktgewinn einer dritten Helleraner Schachmannschaft in der Verbandsliga!

Runde 3, 15.11.2015 Verbandsliga West
KS Emden
SV Hellern 3
44
Kerker, Andreas(2140)Hart, Martin(1988)10
Bartsch, Steffen(2030)Ernst, Franz(1937)01
Lehmann, Edwin(1894)Peistrup, Matthias(1953)01
Janssen, Eilert(1735)Suendorf, Dominik(1791)01
Klinkenborg, Martin(1850)Lapehn, Klaus(1719)10
Müller, Christian(1832)Kuchemüller, Uwe(1784)10
Colgen, Dieter(1746)Dr. Schütt, Norbert(1756)01
Hülsmann, Ludger(1688)Grasser, Stefan(1667)10

Recht früh zeichnete sich ab, dass heute etwas gehen könnte. Franz, Matthias, Dominik und Norbert standen zu Beginn der 4. Spielstunde teilweise klar besser, bei Locke und Lappi sah es dagegen nicht mehr so gut aus. Brösel und Stefan kämpften ums Remis. Die meisten Entscheidungen fielen zu Beginn der fünften Stunde. Die Gewinnpartien wurden souverän nach Hause gefahren, die Fights für die halben Punkte waren jedoch leider vergeblich. Der Mannschaftspunkt war insgesamt aber mehr als verdient, mit ein wenig Glück wäre sogar noch der erste Mannschaftssieg drin gewesen, doch das wären der historischen Dimensionen wohl dann doch zu viele gewesen. Die Traufe, unter der man als Aufsteiger oft genug nach bravurösem Kampf mit leeren Händen und als begossener Pudel steht, haben wir dieses Mal souverän vermieden. Der damit verbundene Sprung auf einen sicheren Nicht-Abstiegsplatz sorgt für zusätzliche Motivation. Und wenn es nächsten Sonntag wieder regnet, soll uns das nur recht sein…

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PS: Ach ja, Schach wurde auch gespielt. Die Partie des Tages lieferte dieses Mal Dominik an Brett 4. In einer Gambit-Variante nervte er als Schwarzer seinen Gegner mit immer neuen Fragen, sodass dieser im Mittelspiel nicht immer die optimalen Entscheidungen traf. Diese Chance ließ sich Dominik nicht entgehen und zerpflügte die gegnerische Stellung mit harmonischem Figurenspiel und sehenswerten taktischen Wendungen.

 

Janssen – Suendorf (Brett 3)

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Zuletzt war das unangenehme 22…La6-c4 geschehen. Der Emdener spielte 23. Tf3. Mit welchem Zauberzug erreichte Dominik nun großen Vorteil? Kleiner Tipp: Der attackierte Springer begibt sich beinahe selbstmörderisch mitten ins Feindesland, wobei Schwarz auch noch ein Matt berechnen musste!

Die Partie zum Nachspielen findet sich hier.

 

 

Unerwähnt bleiben soll allerdings auch  nicht die Glanzpartie von Franz, der seinen starken Gegner eiskalt auskontert und dann das Endspiel mit Turm und ungleichfarbigen Läufern stark in einen vollen Punkt umwandelt.

Bartsch – Ernst (Brett 2)

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Zuletzt hatte der Emdener mit 20. Sf4-d5 eine weitere Figur in die Nähe der Rochade gebracht. Das sieht nicht gut aus für Schwarz, oder? Doch Franz demonstrierte, was sich hinter dem Wort „Chuzpe“ verbirgt – nämlich Frechheit. Mitten im Angriff auf den eigenen König mit der wichtigsten Figur das Kampfgetümmel zu verlassen? So what!
Zum Staunen bitte hier klicken.

Matthias.

Fotos: Otto