Osnabrück hat einen neuen Stadtmeister. FM Tobias Vöge gewann alle Partien. Und da dies keinem anderen Teilnehmer gelang, wurde der für den HSK Lister Turm spielende FIDE-Meister mit meisterlichem Abstand Erster. Also anders als im letzten Jahr, als es noch vier punktgleiche Spieler auf Platz 1 gab. Turnierleiter Niels Dettmer fasst seine Eindrücke aus den Runden 4 und 5 in seinem Gastbeitrag zusammen.
Die Entscheidung fällt erst in Runde 5
Runde 4
An den Spitzenbrettern lauteten die Paarungen Brett 1 Vöge vs Tönniges, Brett 2: Direk-Mikeladze, Brett 3: Lange-Hoppe, Brett 4: Jürgenpott-Bundan und Brett 5: Spierenburg-Hüls.
SF Vöge zeigte am Spitzenbrett all seine Routine mit dem holländischen Aufbau und übernahm gegen SF Tönniges schon im Mittelspiel die Kontrolle. Er baute seinen Vorteil schnell aus und beendete die Partie mit einer schönen Taktik.
In der Begegnung zwischen dem Hagener Oguzhan Direk und Bergia Mikeladze (Schach Nienberge 2003) attackierten sich beide Seiten schon in der Eröffnung. Dann goss SF Mikeladze noch Öl ins Feuer und es entwickelte sich ein Flächenbrand. Auch hier glänzte das Partieende mit einer schönen Taktik.

SF Lange gewann leider kampflos, weil sich SF Hoppe mit einer Grippe vom Turnier abmelden musste. Am 4. Brett konnte Max Jürgenpott (SV Bad Essen) die Partie lange ausgeglichen gestalten. Dann aber zeigte Edward Bundan (Werder Bremen), dass er die bessere Leichtfigur hat und wie man mit ihr die Partie verwerten kann.
An Brett 5 hatte es mein Mannschaftskollege Tom Spierenburg mit Arne Hüls vom Hagener SV zu tun. Tom konnte die Partie bis ins Mittelspiel ausgeglichen gestalten, dann bog er falsch ab und geriet in Nachteil. Seinen positionellen Vorteil konnte SF Hüls relativ schnell in einen materiellen Vorteil ausbauen und die Partie gewinnen.
Die größte Überraschung war für mich die Punkteteilung an Brett 8 zwischen Jahnav Yellappaga und Dmytro Makoveienko (LSV Turm Lippstadt). Das 10-jährige Talent (Hamburger SK von 1830) konnte bis ins Endspiel die Partie gegen einen ca. 500 Punkte besser bewerteten Spieler optisch ausgeglichen gestalten und einen halben Punkt einfahren.

Runde 5
Vor der fünften Runde waren noch keine Entscheidungen gefallen und das versprach spannende Duelle um die Preisgelder. An Brett 1: Direk-Vöge, an Brett 2: Lange-Tietje, an Brett 3: Hüls-Weitekamp, an Brett 4: Bundan-Wilmes, Brett 5: Tönniges-Möller und Brett 6: Mikeladze-Woo.
Brett 6 war zuerst zu Ende. SF Mikeladze ließ die Muskeln spielen und gewann eine sehenswerte Kurzpartie.
Von SF Woo hatte ich in Gesprächen erfahren, dass er aus Malaysia stammt und mit einem Stipendium von Hella Malaysia in Deutschland Maschinenbau studiert. Sein persönliches Ziel ist, das er in jedem Bundesland mindestens ein Schachturnier spielt. Bis Ende März 2027 hat er noch Zeit dazu.
An Brett 4 war Bundan vs. Wilmes als Nächstes beendet. Gegen die Sizilianische Verteidigung zeigte Edward Bundan, warum er jetzt für Bremen in der Oberliga spielt. Er gewann für mich überzeugend die Partie.
Alle anderen Partien gingen im Barenturm bis in die Zeitnotphase. An Brett 1 konnte SF Vöge nach holpriger Eröffnung mit besserer Figurenkoordination und einer starken Schlusssequenz gewinnen. Brett 3 endete nach zähen Abnutzungskampf remis. An Brett 5 meinte SF Tönniges, dass sein Gegner Tom Möller am Rande der Niederlage stand, aber plötzlich fing sein Gegner an Schach zu spielen. Tom Möller fand mehrere starke Züge und konnte die Partie in den Remishafen führen. An Brett 2 verschenkte Norbert Lange eine Gewinnstellung und damit den zweiten Platz. SF Tietze wehrte sich mit dem Mut der Verzweiflung und konnte irgendwie die Partie noch ins Remis lenken


Randnotizen der Redaktion:
Der neue Stadtmeister musste sich bei der DWZ-Auswertung mit +12 P begnügen. Deutlich besser schnitt Nabil Alhamwi (SV Bad Essen, Rang 31) mit +120 P ab.
Edward Bundans Schlussspurt mit zwei Siegen in den Runde 4 und 5 machte sich bezahlt: + 15 und Platz 2.
Bester Spieler aus der Region war Oguzhan Direk (Hagener SV): er wurde Dritter, holte +44 DWZ-Punkte und hatte das Pech, gegen Tobias Vöge antreten zu müssen. Dafür hatte er bei der Auswertung Glück: mit 4 P punktgleich mit dem Hollager Norbert Lange, der übrigens ungeschlagen blieb, konnte auch die Buchholz-Feinwertung keine Entscheidung bringen. Erst eine weitere Feinwertung sicherte dem Hagener hauchdünn den 3. Platz.
Und der 10-jährige Stern am Schachhimmel, der Niels Dettmer so begeisterte? Jahnav Yellappagaro Skandan Chetty erhielt keine eigene DWZ-Zahl. Aber wenigstens die Performance wurde publik: 1914!
Zur kompletten DWZ-Auswertung geht’s hier.
Die Siegerehrung
Fotos: Dettmer © 2026









