Dass es nach zwei Absagen schwer werden würde, bedurfte nicht der Künste eines Magiers. Vorne 50%. An sich gut, tatsächlich aber zu wenig. Hinten nur ein halbes Pünktchen. Ein bekanntes Schema.
Hannes und ich haben einen Blick auf das Ganze geworfen, was immerhin gute Unterhaltung garantiert. Nicht wegen der Autoren, sondern wegen einiger Partien, die man nicht verpassen sollte.
Gab es eine Hintertür?
Klar. Holger Lehmann hätte gewinnen müssen, während Dominik Suendorf mehrfach das Remis auf dem Brett hatte. Aber die Bremer würden zurecht auf ihre Hintertür hinweisen: Nämlich dass Edward Bundan seine Partie gewinnen musste. Mit +4.2 sollte das möglich. Aber Reinhold nervte ihn mit einer Figur weniger solange, bis der halbe Punkt in unsere Reisetasche wanderte.
„Insgesamt verdiente Niederlage, wir standen nirgends meines Erachtens fett auf Gewinn“, bilanzierte Mannschaftsführer Hannes Ewert das Ganze. Höflich musste ich ergänzen, dass Jens Güting durchgehend besser stand, sehr ruhig und geduldig lavierte und mit einem grandiosen Spektakel am Ende auch den vollen Punkt einsammelte. Übrigens sein zweiter Sieg!
„Grundsätzlich positionell interessante Partie, ich denke das war sehr gut von Jens gespielt“, so Hannes.
Unser Mannschaftsführer spielte ebenfalls eine positionelle Partie. Aber der Bremer Max Weidenhöfer ging keine Risiken ein. Hannes spielte gegen den neuen Chef von Schachmatt TV sehr solide, aber sehenswerte Höhepunkte gab es nicht. Dafür waren beide Akteure technisch zu gut. Links die Schlussstellung:

Vorentscheidungen
Ich selbst wartete dagegen auf das Ergebnis am 1. Brett, denn wenn Ingo dort etwas holen könnte, dann würde es einen Fight auf Augenhöhe geben. Ingo war – selten genug – an diesem Tag nicht in Form. Mit 3.h3 gegen Skandinavisch wählte er einen Zug, den Duda häufig spielt, aber danach ging ein Bauer vom Brett und Ingo musste trotz eines Entwicklungsvorteil hart arbeiten, um die Stellung auszugleichen.
„Meines Erachtens gute Partieanlage von Ingo, hat viel versucht, aber halt auch gute Technik von Peter Lichmann.“
Richtig, dies sah man am Ende auf eindrucksvolle Weise.

Ingo hatte nun die Qual der Wahl. 34.Tg3 kostet den Bc5 und das Endspiel ist nicht zu halten. Also All-in mit Txg5 und zwei verbundenen Freibauer. Das klappte auch nicht. Eine letztendlich verdiente Niederlage.
Verpasste Chancen
Die Reihenfolge der Ergebnisse in diesem Beitrag zu erwähnen, ist überflüssig. Die Bremer gingen rasch in Führung, bauten diese aus und erreichten schneller als uns lieb war, die für den Sieg erforderlichen 4½ Punkte. Schauen wir uns lieber die Partien an, in denen mehr möglich war.
Maria Efimenko spielte gegen Holgers Holländer eine vorsichtige Partie. Holger übernahm das Kommando, was zu folgendem Finale führte.
Schade, den Sieg hätten Holger alle gegönnt. Aber das war ja noch Dominik Suendorf als Punktkandidat.
„Wolga-Gambit, es führte zu einem b-Freibauern, der von Tarasenko sehr gepusht wurde. Dominik hatte dann ein Endspiel mit D + L vs. D + T ; zudem hatte Weiß aber einen Freibauern in der a-Linie.“
Soweit Hannes‘ Einschätzung. Hier das Finale.
Unterhaltung pur
Herrlich, wie Reinhold Happe ein Remis gegen den Ex-Osnabrücker Edward Bundan ergaunerte. Mit -4.2 als Rückenwind war die Lage hoffnungslos. Aber wenn man nichts mehr zu verlieren hat, macht Schach erst richtig Spaß.
Nachspiellink
Pech und Pannen
Nachspiellink
Hinter diesem Link versteckt sich eine extrem anstrengende Partie. Komplex, rechenintensiv – das war der Kampf zwischen Jörg Stock und dem taktischen Haudegen Olaf Steffens. Hannes war nicht unzufrieden: „Das sah optisch ziemlich gut aus, Raumvorteil, entwickelte Figuren, selbst am Damenflügel hatte Jörg Raum gewonnen. Ist irgendwie vom Weg abgekommen. Am Ende hat Olaf dann mit seinem Läuferpaar Jörg den offen stehenden König ausgekontert.“
ZÜ im 33. Zug – das allein zeigt, was auf dem Brett los war. Kommentiert wurde die Partie von Jörg.
Theoretisch außergewöhnlich lehrreich war die Partie zwischen Finn Helms und unserem Neuzugang Maxi Stiller. Viele fragten nach der Partie: War das theoretisch alles korrekt? Hannes gab eine Antwort: „Scharfe Variante, die beide Seiten kennen müssen. Anscheinend kannte sie Finn Helms besser.“
Leider hatte er recht. Bereits im 12. Zug servierte der Bremer statt der Main Line einen brandgefährlichen Stockfish-Zug (62%-Quote). Im 16. Zug brachte der Bremer dann ein Neuerung auf’s Brett – natürlich auch von Stockfish. Da hatte sich jemand bis zum Kragen auf diese Variante vorbereitet.
Abgerutscht: die Tabelle

Es war ein spannender Sonntag. Hagen holte seinen ersten Punkt gegen Uelzen. NOH-Blanke rettete sich nach 2-4 gegen Delmenhorst ins Unentschieden. Lehrte ist nach seinem Heimsieg gegen Oldenburg nun Zweiter hinter dem Lister Turm, der dem Aufsteiger aus Hagen nicht einmal einen halben Zähler gestattete.
Für Hellern geht es am 15.11. weiter: Gast sind die Schachfreunde aus Hameln.
