Von begeisterten Schachfreunden wird berichtet, dass der Sparkassen-Cup mittlerweile als Schachfestival bezeichnet werden kann. Also als Turnier mit überregionaler Ausstrahlung. Dazu gehört auch die überzeugende Einteilung in drei Gruppen, die Spielern mit unterschiedlicher Spielstärke die Chance ermöglicht, oben auf der Treppe zu landen. Aus Hellern waren FM Hannes Ewert, Ramin Kaberi und sein Sohn Kilian angereist. Die beiden Letztgenannten wären fast ganz oben aufgeschlagen.
A-Gruppe stärker als im Vorjahr
Vom 21. – 23. August fand im Carl-Miele-Berufskolleg der 16. Sparkassen-Cup statt. Gespielt wurden fünf Runden in drei Gruppen (90/40 Züge + 15 Minuten + 30 Sekunden Inkrement). Der Preisfond: 6000,- Euro.
2025 gewann der 14-jährige Hussain Besou (Turm Lippstadt) das A-Open mit 4½ (5). Das „Wunderkind“ ist mittlerweile IM, aber ein Jahr später war das Feld der Titelträger breiter und qualitativ besser. Mit Hagen Poetsch war ein GM am Start, der auch die Nr. 1 der Start-/Rangliste war. Nr. 2 war IM Besou. Am Ende gewann Poetsch aufgrund der besseren Feinwertung vor IM Grutter (beide 4,5 P). Dritter wurde Hussain Besou (4 P).
Den SV Hellern repräsentierte in Gruppe A der an 8 gesetzte FM Hannes Ewert. Ein sinnvolles Training vor Beginn der Oberliga. Und ein notwendiges, denn Hannes musste in jeder Partie um sein Leben kämpfen und war längst nicht so dominant, wie er es sich gewünscht hatte. Die Auftaktniederlage gegen Jona Bungarten (ELO 1989, DWZ 2053) war garantiert nicht Teil des Programms. Bungarten (SF Brackel) spielte danach furios und verbuchte eine ELO-Performance von 2194.
Und Hannes? Der ackerte sich durchs Turnier und zeigte, dass ein FM nicht einfach zu schlagen ist. Seine Trumpfkarte war das Finish. Das Ergebnis waren 3 Punkte in Serie. Und ohne das Remis in der letzten Runde hätte es sogar für Platz 4 gereicht. Aber lassen wir Hannes selbst zu Wort kommen.
Gruppe A
Sparkassen-Cup 2026 in Gütersloh – spielerisch ausbaufähig, beim Glück unschlagbar!
Ein Bericht von Hannes Ewert
Nach mindestens 3 Jahren Pause vom aktiven Turnierschach war es mal wieder so weit. Mit einer ELO von 2266 und einer Setzlistenposition um Platz 8 ging es für mich ins fünfrundige Turnier in Gütersloh.
Der Spielsaal, das Forum des Berufskolleg Carl Miele in Gütersloh. Ganz hinten sieht man eine kleine Bühne, diese war leicht erhöht.
Nachdem ich in der Oberliga (2025/2026) ungeschlagen blieb (und dies meine einzigen Partien waren), waren die Erwartungen an mein eigenes Schach entsprechend vorhanden und die Ausgangslage durchaus ambitioniert.
Runde 1 – Direkt auf den Boden der Tatsachen
Zum Auftakt ging es gegen Jona Bungarten, einen jungen Erwachsenen mit knapp 2000 ELO. Eigentlich eine Partie, in der ich meiner Favoritenrolle gerecht werden wollte. Stattdessen setzte es direkt mal eine Niederlage. Im Folgenden werden Einblicke in die Partie gegeben: Nachspiellink.

Runde 2 – Hauptsache gewonnen
Nach der Niederlage und dem schon deutlichen ELO-Verlust musste natürlich ein Sieg her, um den Schaden in Grenzen zu halten. Das gelang auch – allerdings eher auf die glückliche Art und Weise. Das wird mich noch das ganze Turnier begleiten…

Hier spielte mein Gegner Dd3 und wollte somit wohl den Bauern auf d4 angreifen, als auch möglicherweise ein Dauerschach erreichen. Hier folgte e5-e6 und die Stellung ist um. Ich drohe Dxf7 und auch e7 mit Umwandlung in eine Dame.

½ P (2) – spielerisch war noch deutlich Luft nach oben, tabellarisch war ich immerhin wieder halbwegs im Geschäft. Wirklich überzeugend war das Ganze nicht, aber am Ende stand der Punkt auf meiner Seite.
Runde 3 – Das Glück bleibt mir treu
Auch in Runde 3 konnte ich gegen Ingmar Bennemann (SG Osnabrück) gewinnen. Und auch hier war das Glück offenbar der Meinung, dass es mich durch dieses Turnier begleiten möchte.

Hier folgte 28…Dg1+. Ich kann mich entknoten und meine passiven Figuren aktiver ins Spiel einbringen. Zudem wird der Druck auf meinen König kleiner & der Bauer auf d5 ist schwach. Statt die Partien souverän nach Hause zu spielen, wurde es wieder unnötig spannend: Nachspiellink.
Runde 4 – Aller guten Dinge sind drei
In der vierten Runde wiederholte sich gegen den Neu-Bremer Nazar Tarasenko das Spielchen: gewinnen, aber bitte möglichst nicht auf eine Art und Weise, die den eigenen Qualitätsanspruch erfüllt.

Hier stand für mich eine Grundsatzentscheidung im Raum. 1.d5 oder 1.e5?
Bei e5 spricht mich auch der schwache König an, da ich direkt 2.e6 spielen kann. Mit den Ideen Sg5, Lh3 etc. bin ich schnell gefährlich. Achtung: Die lange Diagonale a8-h1 kann durch ein stilles Dd7-c6 plötzlich gewinnen.
Bei d5 spricht mich vor allem 2.Sd4 und das Spiel auf der c-Linie an. Ich habe mich für die taktische Variante entschieden, ich wollte es schärfer machen. Nachspiellink.
Runde 5 – Jetzt bloß nichts mehr kaputtmachen

Vor der letzten Runde war die Ausgangslage entsprechend angenehmer. Mit einem Sprint und drei Siegen in Folge war mein Elo-Verlust schon auf -6 geschrumpft. Dementsprechend war die Hoffnung sogar da, mit einem Sieg wieder Richtung +- Elo 0 zu gelangen. Es entwickelte sich gegen Felix Werthebach eine Partie, die sehr von Symmetrie geprägt war. Am Ende gab es ein Remis und damit 3,5 P (5) Punkte.
Nachspiellink.
Fazit
3,5 Punkte aus fünf Runden sind am Ende ein ordentliches Ergebnis. Vor allem, wenn man bedenkt, dass nach der ersten Runde schon ein kleiner Fehlstart zu Buche stand.
Schachlich war das Turnier allerdings… sagen wir: interessant.
Vier Partien nach der Auftaktniederlage – drei Siege und ein Remis. Die Qualität der Partien war dabei ungefähr umgekehrt proportional zur Menge des Glücks, die ich offenbar mit nach Gütersloh gebracht hatte.
Hannes Ewert
Score und Tabelle
Gruppe B
Was unterscheidet unterscheidet einen Taktiker von einem guten Schachspieler?
- Steht der Taktiker schlecht, muss man sich keine Sorgen machen.
- Sehr der Taktiker sehr schlecht, muss man sich keine Sorgen machen.
- Steht der Taktiker völlig platt, sollte man abwarten, wie die Partie tatsächlich ausgeht.
- Steht der Taktiker auf Gewinn, sollte sich der Gegner Sorgen machen.
Nichts gegen gute Schachspieler, aber Taktiker liefern häufiger. Weil sie keine Angst haben und Niederlagen nicht akzeptieren. Ramin (Foto) gehört zu dieser Spezies – und er lieferte auch. Schauen wir uns die erste Runde an:
In Runde 2 langweilte er seine Fans mit einem fehlerfrei gespielten Endspiel. Überspringen wir das und schauen uns an, was in Runde 3 geschah.
Nach der 3. Runde war die Tür weit aufgestoßen. Dann kam die berüchtigte 4. Runde, in der bekanntlich die Köpfe rollen. Ramin musste gegen Stephan Petz (SC Marsberg) antreten – und hatte das Pech, dass sein Gegner (DWZ 2042) auch ein Taktiker war. SF Petz hatte 2009 sogar eine ELO von 2169. In der Diagrammstellung hatte Ramin lang rochiert – und wurde nach b7-b5 nebst Da5 ziemlich ruppig überrollt. Der Ba2 ging flöten und trotz heftiger Gegenwehr folgte irgendwann das Matt. Ramins Vorteil: diesen Fehler wird er nie wieder machen. In Runde 5 holte in bedrängter Stellung gegen Jörn Tessen (1962) noch ein Remis. Chapeau!
Score und Tabelle
Gruppe C
Es gibt auch Märchen im Schach. Eins davon ist die Performance von Ramins Sohn Kilian. Der ist aktuell in Sachen Mannschaftssport passiv und ging in Gütersloh mit 0 DWZ-Punkten an den Start. Mit anderen Worten: er war vereinslos geteilter Letzter in der Start-/Rang-Liste.

Dies schien ihn nicht zu beeindrucken. Kilian spielte sich ratz-fatz an die Tabellenspitze. In Runde 3 erwischte es ihn, aber danach folgten erneut zwei Siege. Das reichte am Ende zu Platz 6 und einer Turnier-Performance von knapp 1700. Um die Tür ganz aufzustoßen, fehlte nur ein halber Punkt. Eine bemerkenswerte Leistung nach einer langen Spielpause!
Wie man Fesselungen behandelt, konnte man in folgender Partie sehen:
Hübsch war auch die folgende Taktik von Kilian aus der letzten Runde:
Kilians starke Performance war die größte Überraschung der C-Gruppe. Und sicher auch für die Helleraner Reisegruppe. Bleibt zu hoffen, dass Kilian irgendwann wieder Mannschaftsschach spielt.
Zum Schluss noch ein dickes Dankeschön an Ramin, der die Redaktion mit vielen gelungenen Fotos und Partien versorgte.
Fotos: © Ramin Kaberi 2026









