Manchmal hat unsere Redaktion das Glück einige Partien in die Hände zu bekommen, die außergewöhnlich sind und nicht nur von unserer großen Datenbank geschluckt werden sollten. Aktuell handelt es sich um jeweils eine Partie aus der Bezirksliga und -klasse, die von Martin Rothe und Andre Böhme gespielt wurden. Unterhaltsam, anregend und mutig waren sie. Tolles Schach ist also kein Privileg der höheren Ligen!
Bezirksklasse
In der 7. Runde in der Bezirksklasse hatte unsere Vierte ein Heimspiel gegen den TuS Ascherdorf, der nach 6 Runden Tabellendritter war und sich im Vergleich zur Vorsaison deutlich gesteigert hatte. Der Wettkampf endete mit einem 4-2 für Hellern 4.

Hinten sorgten Frank Pfeifer und Hartmut Weist für wichtige Siege. Das gelang auch Andre Böhme, der aktuell mit 4 P (6) eine starke Saison spielt. Mit den schwarzen Steinen gewann er eine sehenswerte Kurzpartie gegen Martin Silies.

Für Hellern 4 bedeutete dies den Sprung auf Platz 2. Am 26.4 spielt unsere Vierte gegen Schlusslicht Gaste-Hasbergen. Am 17.5. (Heimspiel!) findet dann der Showdown gegen die Hagener statt, die bislang zwei Punkte Vorsprung und ein fettes Brettpunktekonto haben.
Tabelle nach Runde 7
Bezirksliga
Gegen den äußerst dominanten Tabellenführer aus dem Barenturm war nicht viel zu holen. Mit zwei Ausnahmen. Manuel Kamps sorgte für eine von zwei Helleraner Gewinnpartien. Die andere gewann Martin Rothe. Und dazu gibt es eine kurze Geschichte.

An Brett 6 hatte es Martin Rothe mit dem mittlerweile 73-jährigen Nenad Bonacic zu tun. Die jüngeren Spieler werden nicht wissen, welche Rolle SF Bonacic in der Osnabrücker Schachgeschichte gespielt hat. Ich schon. Als ich 1975 in Hellern mit dem Schachspielen auf Vereinsebene begann, gehörte der gleichaltrige Nenad Bonacic mit einer INGO-Zahl von 86 zu den besten Spielern im Schachverband Münsterland. Dieses Rating entspricht einer ELO von 2152.
Diese Zahl gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Heute würde sie nicht mal reichen, um in die Top 100 des niedersächsischen Schachverbands zu kommen. Vor 50 Jahren war es dagegen nur ein Dutzend Spieler im Schachverband Münsterland, die so weit gekommen waren. Auch der gegen Stefan Grasser spielende Klaus-Dieter Mann gehört zum erweiterter Klub dieser damaligen Schachgrößen (INGO 104).

Intuitiv bin ich davon überzeugt, dass die Zahlen damals mehr wert waren. Aber ungeachtet der Debatten über die sogenannte ELO-Inflation erhält die Zahl im Kontext eine große Bedeutung. Nenad Bonacic spielte nämlich für den Osnabrücker SV in der NRW-Liga – und die war die höchste Spielklasse im Schachbund Nordrhein-Westfalen. Die 2. Bundesliga wurde erst Anfang der 1980er-Jahre gegründet.
Diese Backstory ist besonders dann interessant, wenn man gegen eine regionale Schachikone der 1970er- und 1980er-Jahre antreten muss. Und wenn man dann, wie es Martin Rothe gelang, gewinnt, dann ist dies einen Blick in die Osnabrücker Schachgeschichte wert. Die Analysen der scharfen Angriffspartie sind etwas ausführlicher geworden, daher eine separate Nachlese: Nachspiellink.
Tabelle nach Runde 8

Die Reserve des Osnabrücker Schachvereins ist Meister geworden und damit aufgestiegen. Wir gratulieren zum Erfolg. Unsere Dritte kann zufrieden sein, zumal theoretisch noch Platz 3 in Reichweite ist.
Fotos: © Thal 2025