Grippewelle und andere Kalamitäten

Schachfiguren 1 mit Textinsert_ 1000 px BTurbulenzen in Hellern: Nach einem 1-3-Rückstand drehten die Gäste aus Stade den Wettkampf komplett und kamen zu ihrem ersten Saisonsieg. Ob dies im Abstiegskampf zum Schlussspurt reicht? Unsere Erste musste jedenfalls feststellen, dass einige Gästespieler an diesem Tag ein kleines Feuerwerk abbrannten. Was aber im Einzelnen passierte und wie wir zwei Stammspieler einbüßten, darüber berichtet Mannschaftsführer Hajo Bade in seinem Gastbeitrag.

blauer Trenner

Wer soll denn bloß spielen?

Der englische Haudegen und Whisky-Genießer Joseph Henry Blackburne soll folgendes Zitat in die Welt gesetzt haben: „Ich spiele jetzt 50 Jahre Schach, habe aber noch nie gegen einen Gesunden gewonnen.“ Dieser Aphorismus als Intro zum Wettkampf gegen Stade scheint ein wenig unfair zu sein und würdigt nicht die erzielte Mannschaftsleistung des Abstiegskandidaten. Dennoch stehen unterm Strich drei Nullen bei den grippe- und kreislaufkranken Spielern Gronde, Bade und Hart.

Schon im Vorfeld des Wettkampfes gab es reichlich Diskussionspotential. Wer soll Ersatz spielen, ohne die Mannschaften Zwei und Drei von ihren Saisonzielen abzubringen? Insbesondere die Frage nach dem Ersatz für den grippekranken St. Niendieker war virulent. Doch schließlich war das Paket in der Mitternachtsstunde zum Freitag geschnürt. Denn glücklicherweise bestand Konsens in dem Wunsch, die ersten drei Seniorenteams mit jeweils acht Spielern zu bestücken. Was keiner ahnte: dass in der Ersten ein Kranker durch einen anderen ersetzt wurde.

3-1 geführt – und dann kam die Wende

Der Verlauf des Wettkampfes ließ indes nicht ansatzweise das Endergebnis erahnen. Dirk riss ein Loch in die gewünschte Rochadestellung, verpasste Brümmel zusätzlich ein paar schwache Einzelbauern und der Rest war wohl Sache der Technik. In dieser Saison spielt Dirk noch ein Quäntchen aggressiver und auch souveräner. Chapeau. Ach ja: 1-0.

Jörg ließ sich vom englischen Angriff von Nodorp nicht beeindrucken, sondern konterte seinerseits mit aktivem Figurenspiel. Der Gegner war in der Restentwicklung paralysiert und erholte sich auch nicht mehr: 2-0.

Brümmel – Hummel Stock – Nodorp

Dirk hatte in einer Nebenvariante des „Angenommenen Damengambits“ einen Bauernopfer angeboten, das zu einer schwierigen Stellung für seinen Gegner führte. Auch weil der schwarze Turm drohte, auf der 6. Reihe am Angriff teilzunehmen. Mit 16…e4!-+ provozierte Dirk nun eine Schwächung des Feldes g4. Der Rest war Extraklasse. Toll!

Jörgs Gegner Dieter Nodorp hatte den „Sizilianischen Angriff“ aufs Brett gebracht. Nicht zum ersten Mal. Jörg wich früh vom Theorie-Mainstream ab und dominierte nach elf Zügen die schwarzen Felder. Mit 13.De3+- fand Jörg dann auch noch eine tolle Neuerung. Es droht nicht nur Ld3, sondern auch die lange Rochade. Super Partie von Jörg, der zuletzt 3 v. 4 Punkten holte. Partielink.

Kurz darauf musste Ingo eingestehen, dass der Maroczy-Aufbau von Vöge besser verstanden wurde. Er hatte zwar schon frühzeitig Remis geboten, weil mit Matschbirne und Fieber nicht viel lief, aber die jungen Leute von heute wittern ihre Chance und lassen nicht locker: 2-1. Unser Ersatzmann André gab eine wunderbare Vorstellung und spielte seinen Gegner Schröder Zug um Zug an die Wand. Er kann halt doch Oberliga: 3-1.

Gronde – Vöge Böhme – Schröder

In der Diagrammstellung entkorkte Tobias Vöge das Demenopfer 17…Dxb5. Mit mag es nicht glauben, aber in der Endabrechnung gewann der Stader damit einen Bauern. Das Endspiel brachte er technisch sicher über die Runden.

Andre durfte gegen einen Najdorf antreten. Pikant: Eine ähnliche Variante hatten die beiden vor einigen Jahren schon mal auf dem Brett. Andre verlor leider. Diesmal drehte er den Spieß um: 21. g5-g6 war der Auftakt zu einem furiosen Taktikspektakel. Partielink.

Wer ahnt jetzt Schlimmes?

Reinhold hatte eine Gewinnstellung, die anderen Partien sahen auch nicht so übel aus und dann haben wir ja noch Carsten, der auch etwas zu Punktesammlung beitragen wollte.

Doch dann war bei ‚Locke‘ Hart doch etwas schief gelaufen. Der weißfeldrige Läufer von Dittmann lugte in die löchrige Königsstellung und auf der Grundlinie ging auch noch entscheidendes Material verloren: 3-2.

In dieser Phase hatte ich eine ordentliche Eröffnung in eine Harakiri-Stellung verwandelt. Mein Gegner Dede ließ sich nicht beeindrucken und tat das Notwendige, um den Punkt einzusacken. 3-3.

Und dann griff Reinhold wohl in Zeitnot fehl. Zwar hatte er eine Figur (Springer) mehr, sein Gegner Jonas Hammann aber zwei entfernte Freibauern, die beachtlichen Ärger machten.

Hammannn – Happe

mm_h1_20160313_dia_Hammann-Happe vor 42_Sd3
Reinhold wollte mit 42…Sd3 den Bf4 decken und gleichzeitig den weißen Freibauern befragen. Jonas Hammann packte nun eine Kombi aus, die man weißgott nicht täglich sieht. Man beachte, dass der Springer auf b2 mit der Marschroute a4/b6 den c-Bauern abfangen kann – von d3 aus ist das nicht möglich. Mit dieser diskreten Hilfestellung sollte man die Lösung finden und nicht sofort auf den Partielink klicken.

Wir Kiebitze spekulierten noch auf eine geschickte Springerwanderung oder eine Dauerschachstellung, doch dies war schlichte Illusion. 3-4.

Carsten befand sich in einem Turmendspiel. Zwar versteht er es sehr geschickt gerade in dieser Spielphase seine ganze Spielstärke einzubringen. Doch diese Remisstellung blieb auch eine. Der junge Manuel Günnigmann hatte nicht nur zu diesem Zeitpunkt, sondern auch während der ganzen Partie gezeigt, dass er etwas drauf hat. 3.5-4.5.

Unterm Strich blieb die einzige Heimniederlage der Saison. Doch halten wir es an dieser Stelle am besten erneut mit Blackburne und genießen einen schönen Whisky. Vielleicht hilft er sogar gegen Grippeviren. Beim nächsten Mal machen wir es besser. Denn dann dürften auch alle wieder gesund sein.

Hajo Bade

Oberliga Nord West, Runde 8, 13.03.2016
SV Hellern 1
Stader SV 1
Lingnau (2413) Günnigmann (2206) ½ ½
Dr. Gronde (2221) Vöge (2307) 0 1
Hummel (2288) Brümmel (2149) 1 0
Stock (2191) Nodorp (2070) 1 0
Happe (2147) Hammann (1981) 0 1
Bade (2002) Dr. Dede (2029) 0 1
Hart (2106) Dittmann (1809) 0 1
Böhme (1903) Schröder, M. ( – ) 1 0