Meister gegen Talente

ewert_hannes_2015„23.11.2015 : Einladung zu dem Vergleichskampf Meister gegen Talente. Mein Vater fragte mich, ob ich nicht Lust habe, bei dem Vergleichskampf mitmachen möchte. Ich stimme direkt zu, denn solch eine Erfahrung sollte ich mir nicht entgehen lassen.“
So beginnt der Bericht von Hannes über ein Turnier der besonderen Art. Was sich Talente alles gefallen lassen müssen, wenn sie auf Meister treffen, und warum eine Speisekarte das ganze Turnier auf den Kopf stellen kann? Das kann man in Hannes‘ Turniertagebuch herausfinden.

5.12.2015: Bestätigung, dass ich auch teilnehmen darf mit allen Infos. Email von Bernd Laubsch mit allen Informationen. Teilnehmer der Jugendlichen: Christian Polster, Jari Reuker, Steffen Rätzke von Stoyentin und ich.

18:12.2015, 13:00 Uhr: Abfahrt nach Verden mit meinen Eltern. Ich war sehr gespannt, wie solch ein Vergleichskampf stattfinden sollte.

14:45 Uhr in Verden. Check-In: Zimmer bezogen. Gewartet. 16:15 Uhr: Dann auf einmal – ich höre ein Klimpern, es muss sich um die Tür handeln. Ich stand auf, um zu sehen, wer das ist oder was das ist.

Dann sehe ich Christian Polster. Ich hatte bei der Rezeption angegeben, dass ich mit Christian auf ein Zimmer möchte. „Wunsch“ erfüllt. Wir bleiben noch 5 Minuten auf dem Zimmer und suchen alles zusammen (Kugelschreiber, Schlüssel etc.). Wir suchen die Räumlichkeiten und fanden sie direkt. Ich kam in den Raum rein und sah Steffen, Fabian Müller, Wilfried Bode und Bernd Laubsch. Ich sah vier Tische, die von einer Tischdecke bedeckt waren. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass das hier was Besonderes ist. Wir unterhielten uns ein Weilchen und fingen früher an als 17:30 Uhr laut Plan.

1. Runde gegen Dennes Abel

Hm, den Namen kenn ich doch! Leo wurde von ihm trainiert! Dennes macht jedenfalls eine Schachpause und ist momentan bei SK Ricklingen gemeldet. Davor war er bei den Schachfreunden Berlin von 1903, die in der Bundesliga spielen, aktiv. Nach 20 Minuten fragte uns Bernd – während der Partie – ob die Feier nebenan zu laut wäre, um sich zu konzentrieren. Wir alle stimmten nach nicht einmal 3 Sekunden zu… Wir hielten alle Uhren an und gingen in den Keller, der ein wenig kälter war.

Die Zeit verging und Züge wurden gemacht. Man konnte früh sehen, dass Dennes diese Stellungen schon oft gespielt hat. Er hatte nach 30 Zügen noch 1:06 h auf der Uhr. Der Modus war 90 Minuten für 40 Züge, 30 min für den Rest und pro gemachtem Zug gab es 30 Sekunden Zeitbonus. Er spielte diese Stellung so konsequent, wie man es sich nur denken konnte. Ich habe aber davor eine positionelle Katastrophe gespielt, die er eiskalt ausgenutzt hat. Verloren.

Abel – Ewert nach 13. b3-b4

et_2015-12-18_dia_Abel-Ewert nach 13 b3-b4
(Anm. d. Red.: Richtig neu ist das nicht. Weiß will b4-b5 spielen und falls er Schwarz zu cxb5 nötigen kann, wird der b-Bauer aufgezogen und der Druck auf den schwarzen a-Bauern bleibt sowieso. Partiebeispiel: Miles – Sarapu, 1-0, Auckland, 1992 – und dort kam Schwarz sogar noch zu e6-e5! Hannes zog hier 13…a6 und war total unzufrieden mit dem Zug. Was spielt Stockfish? 13…a6! Tja Hannes, manchmal spielt man besser als man denkt!)

Wir gingen in den Raum, in dem wir zuvor waren, also der Raum neben der Feier, und analysierten die Partie. Es ist immer wieder hilfreich, mit einem IM zu analysieren! Die anderen kamen nun nach und nach in den Raum zurück, um ebenfalls zu analysieren. Bei den Ergebnissen gab es eine Überraschung, denn Jari hat gegen Wilfried Bode Remis gespielt. Als die Analysen zu Ende waren, bestellten wir uns noch Essen. Ja, das geht um 22.38 Uhr, weil Bernd der Küche vorher Bescheid gesagt hatte, dass wir länger brauchen.

Dann blitzten wir noch ein paar Partien und danach verabschiedeten wir  uns. Eigentlich wollten wir noch den Vortrag von Bernd zu der Anti-Dopingproblematik hören, aber nun ja…
Nächster Tag: Frühstück 7:45 Uhr. Da Christians Touchscreen kaputt und mein Akku leer war und mein Handy einen angeblichen Wackelkontakt hatte, hatten wir keinen Wecker. Christian sagt zu mir: „Hannes? Es ist 7:43 Uhr.“ Ich wachte auf und konnte es nicht glauben. Wir eilten zum Frühstück und waren 7:47 Uhr da. Alles noch im Rahmen …?!

Aber zwei andere hatte es noch mieser erwischt. Jari und Steffen haben einfach mal bis 8:15 Uhr geschlafen^^… Rundenbeginn war 8:30 und das ohne Frühstück. Das kann nur schlecht werden, dachte ich mir.

8:30 Uhr: 2. Runde gegen FM Wilfried Bode

Wilfried spielt bei Hameln und hat eine Zahl von 2335. Ich hatte in der Partie zum Teil die Initiative, konnte damit aber nichts anfangen.

Ewert – Bode = ½ – ½

et_2015-12-18_dia_Ewert-Bode vor 2 Lb3-d5
21. Ld5 Droht Lxc6 mit Bauernverlust für Schwarz. Deswegen sollte entweder f4 oder Sd8 kommen. 21…Sd8 22. Te1 += Es muss nun f4 kommen. Ich wollte nicht erst auf f5 schlagen und dann Te1 spielen, da der Läufer auf f6 wieder ins Spiel kommt (e5-e4-Ideen, c3 schwach). Remis (31.) Eine weitere Überraschung und ich denke auch eine Enttäuschung für Wilfried. Ich freute mich sehr, aber ich hatte bestimmt einen Grund weiterzuspielen…

Wir analysierten und gingen dann zum Essen.

Ewert-Bode

…ich mag keinen Fisch!

Hm, ist natürlich blöd, wenn man nicht weiß, was man ankreuzt auf der Auswahlliste… Ich bekam Fisch mit Ei umbacken und ich mag keinen Fisch ^^… Ich also was anderes. Dann bereiteten wir uns auf den Zimmern vor.

3. Runde gegen Daniel Prenzler

Da Daniel mein Trainer auf diversen Turnieren war, wusste ich genau, was er spielt, weil ich z.T ein wenig von ihm spiele. Ich spiele nicht ohne Grund als Zweitwaffe seine Hauptwaffe^^.

Alles echte Brocken!

Ewert-Prenzler
Er spielte eine Variante, die ich mir vorher sehr kurz angeschaut hatte, damit ich wenigstens die Theorie kann. Ich hatte aber mit einer anderen Variante gerechnet. Naja, jedenfalls hatte ich ein Dauerschach, was ich leider nicht gesehen habe. Verloren. Analyse mit Daniel war dann „wie immer“, genauso wie auf den LJEMs und anderen Turnieren. Dann gab es Essen. Pasta mit einer leckeren Sauce.

Dann bereiteten wir uns auf den letzten Gegner vor. Mein Gegner war Fabian Müller. Fabian spielt bei SVG Salzgitter und ist FM mit einer Zahl von 2313. Alles echte Brocken!^^

4. Runde gegen Fabian Müller

mueller-Ewert

Gegen Fabian habe ich dann eine Variante ausgepackt, die ich während der Deutschen von Daniel gezeigt bekommen habe. FM Fabian sperrte sich selbst mit seinem Läufer mit einem Freibauern ein (Bauer auf b6 und Bauer auf a7) und ich hatte Chancen Remis zu halten. Schade, wieder verloren!

Müller – Ewert

et_2015-12-18_dia_Mueller-Ewert vor 33_Lxf3
(Anm.: d. Red.: Hannes spielte hier 33…Lxf3. Tatsächlich gewann 33…Sd3. Nun wird auf diesem Niveau nicht so einfach eine Gabel übersehen. Vermutlich wurde die Stärke des weißen Läuferpaares überschätzt. In den Analysen zeigt sich, dass der Ld5 nach dem Schlüsselzug zur perfekten Blockadefigur wird!).
Ich hätte hier bei genauem Spiel locker 1.5 Punkte rausholen können. In der 4. Runde holte Jari nochmal ein Remis gegen Daniel. Alle anderen verloren. In den Partien davor holte Christian nochmal einen halben Punkt gegen IM Dennes Abel. Stark! Dabei hatte Dennes einen Gewinnzug übersehen. Ein schönes Motiv muss ich sagen. Bei den „Talenten“ holten drei mindestens einen halben. Steffen verlor leider alle 4 Partien. Zu den Partien kamen zum Teil Gäste, die man so kannte. (Jens Kahlenberg, Germaine Kickert, Fabian Stotyn etc.).

Fazit: Auf jeden Fall Wiederholungsbedarf! Es hat mich sehr gefreut, eingeladen zu werden. Eine sehr schöne Erfahrung!

Futter zum Nachspielen gibt es hier.

Fotos: Niedersächsischer Schachverband